Neujahr, der Tag, an dem man sich morgens schon wünscht, er möge schnell vorüber gehen und die Mörder – Kopfschmerzen gleich mitnehmen. Der Tag, der seine fiesesten Helferlein mitten in der Nacht, also um 7 Uhr morgens, an dein Bett stellt und sie mit engelsgleicher Stimme ” Maaama, ich muss Pipi, und ich will eine Mihilch!!! ” rufen lässt .
Zum Glück habe ich einen Mann, der sich, nachdem er ausschlafen durfte , ausgiebig mit den Kindern beschäftigt und mir die Couch überlässt. So bleibt mir Zeit, das kleine Katerchen zu bekämpfen und im nebelverhangenen Kopf nach Erinnerungen zu suchen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen.
So viel ist eigentlich gar nicht passiert, zumindest nichts Weltbewegendes. Dafür aber viele Momente, an die ich mich gerne erinnere, sei es, weil sie lustig waren, mich gerührt haben oder auch weil ich einfach nur sprachlos war. Und das nicht etwa aus Verzückung, sondern aus Fassungslosigkeit über so viel Dummheit.
So begab es sich eines Tages, es war Monatsanfang, dass eine junge Dame Frau unsere Wache betrat, um den Diebstahl ihres Portmonee und damit natürlich auch ihres gesamten Monatseinkommens anzuzeigen . Sie wird an diesem Tag nicht allzu früh aufgestanden sein (andere Gründe für ihre verminderte Denkfähigkeit überlasse ich dem Einfallsreichtum der Leser), denn auf die Frage, wo sie denn nun am Vortag bestohlen wurde, gab sie ein bestimmtes öffentliches Verkehrsmittel an…welches nur dummerweise schon Tage zuvor außer Betrieb genommen wurde . So wurden aus einer Anzeige gleich zwei .
Für den lustigen Ausgleich zu solchen Ausfällen sorgten meistens die Chaoskinder. Vor allem das große Chaoskind bringt Sprüche , die dem einem ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern und dem anderen – also uns – die Schamesröte ins Gesicht treiben. Manchmal verursacht er aber auch Zustände , die sich in diesen Momenten schwerlich aufklären lassen.
Wir besuchten an einem Nachmittag die Vorstellung eines Marionettentheaters. Die Vorstellung war ausverkauft , die Sitzreihen bis auf den letzten Platz gefüllt . “Der Froschkönig ” machte es sich gerade auf dem Tellerlein der Prinzessin bequem, als sich das große Chaoskind inspirieren ließ und einen leisen Pups nach dem anderen entsandte. Und wir alle wissen: Die Leisen sind die Gemeinsten…Bei unseren unmittelbaren Sitznachbarn wechselte schon die Gesichtsfarbe, bei uns auch, aber in sattes Rot. Da half nur eins: Völlig unbeteiligt tun und einen angewiderten Blick auf irgendein Kind in der vorderen Reihe richten.
Es gab dann noch die Momente, die einem im Herzen berühren. Das kann eine spontane Liebesbekundung vom Chaoskind sein, oder ein besonderer Mensch mit einer besonderen Geschichte. Oder eine Geste von einem Unbekannten, die nicht mehr selbstverständlich ist. Denn leider bringt unsere Gesellschaft immer mehr Egomanen hervor.
Ich könnte mich stundenlang über solche Menschen ärgern, Menschen, die keinen Funken Respekt mehr haben und sich rücksichtslos nach vorn drängen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Erst vor ein paar Tagen hatte ich so eine Begegnung. Ich stand an der Theke eines Indoor Spielplatzes an, um etwas zu Essen und zu Trinken zu bestellen. Ich war noch nicht mal ansatzweise fertig mit meiner Bestellung, da stellt sich eine Frau aufgetakelte Tussi direkt neben mich und gibt ihre Bestellung an den völlig überforderten Aushilfsjobber ab. Im Verkehrsrecht würde man von Unterschreitung des Gefährdungsabstand sprechen. Ich bin natürlich keinen Millimeter beiseite gewichen, vom abschätzigen Blick meinerseits ganz zu schweigen. Aber das beeindruckte sie keineswegs. Da mussten härtere Geschütze aufgefahren werden.
Aber ist es das wert ? Regt man sich nicht nur unnötig auf, weil der andere sich eh nicht ändern wird? Ganz ehrlich? Ja verdammt , natürlich ist es das wert, ich lass mir doch nicht alles gefallen. Die Leute brauchen ein Echo, verbal natürlich, im Rahmen des Legalen, aber bitte spitzfindig und mit Stil.
In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr, auf dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehen.

