Ein frohes neues Jahr

Neujahr, der Tag, an dem man sich morgens schon wünscht, er möge schnell vorüber gehen und die Mörder – Kopfschmerzen gleich mitnehmen. Der Tag, der seine fiesesten Helferlein mitten in der Nacht, also um 7 Uhr morgens, an dein Bett stellt und sie mit engelsgleicher Stimme ” Maaama, ich muss Pipi, und ich will eine Mihilch!!! ” rufen lässt .

Zum Glück habe ich einen  Mann, der sich, nachdem er ausschlafen durfte , ausgiebig mit den Kindern beschäftigt und mir die Couch überlässt. So bleibt mir Zeit, das kleine Katerchen zu bekämpfen und im nebelverhangenen Kopf nach Erinnerungen zu suchen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen.
So viel ist eigentlich gar nicht passiert, zumindest nichts Weltbewegendes. Dafür aber viele Momente, an die ich mich gerne erinnere, sei es, weil sie lustig waren, mich gerührt haben oder auch weil ich einfach nur sprachlos war. Und das nicht etwa aus Verzückung, sondern aus Fassungslosigkeit über so viel Dummheit.

So begab es sich eines Tages, es war Monatsanfang, dass eine junge Dame  Frau unsere Wache betrat, um den Diebstahl ihres Portmonee und damit natürlich auch ihres gesamten Monatseinkommens anzuzeigen . Sie wird an diesem Tag nicht allzu früh aufgestanden sein (andere Gründe für ihre verminderte Denkfähigkeit überlasse ich dem Einfallsreichtum der Leser), denn auf die Frage, wo sie denn nun am Vortag bestohlen wurde, gab sie ein bestimmtes öffentliches Verkehrsmittel an…welches nur dummerweise schon Tage zuvor außer Betrieb genommen wurde . So wurden aus einer Anzeige gleich zwei .

Für den lustigen Ausgleich zu solchen Ausfällen sorgten meistens die Chaoskinder. Vor allem das große Chaoskind bringt Sprüche , die dem einem ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern und dem anderen – also uns – die Schamesröte ins Gesicht treiben.  Manchmal verursacht er aber auch Zustände , die sich in diesen Momenten schwerlich aufklären lassen.
Wir besuchten an einem Nachmittag die Vorstellung eines Marionettentheaters. Die Vorstellung war ausverkauft , die Sitzreihen bis auf den letzten Platz gefüllt . “Der Froschkönig ” machte es sich gerade auf dem Tellerlein der Prinzessin bequem, als sich das große Chaoskind inspirieren ließ und einen leisen Pups nach dem anderen entsandte. Und wir alle wissen: Die Leisen sind die Gemeinsten…Bei unseren unmittelbaren Sitznachbarn wechselte schon die Gesichtsfarbe, bei uns auch, aber in sattes Rot. Da half nur eins: Völlig unbeteiligt tun und einen angewiderten Blick auf irgendein  Kind in der vorderen Reihe richten.

Es gab dann noch die Momente, die einem im Herzen berühren. Das kann eine spontane Liebesbekundung vom Chaoskind sein, oder ein besonderer Mensch mit einer besonderen Geschichte. Oder eine Geste von einem Unbekannten, die nicht mehr selbstverständlich ist. Denn leider bringt unsere Gesellschaft immer mehr Egomanen hervor.
Ich könnte mich stundenlang über solche Menschen ärgern, Menschen, die keinen Funken Respekt mehr haben und sich rücksichtslos nach vorn drängen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Erst vor ein paar Tagen hatte ich so eine Begegnung. Ich stand an der Theke eines Indoor Spielplatzes an, um etwas zu Essen und zu Trinken zu bestellen. Ich war noch nicht mal ansatzweise fertig mit meiner Bestellung, da stellt sich eine Frau aufgetakelte Tussi direkt neben mich und gibt ihre Bestellung an den völlig überforderten Aushilfsjobber ab. Im Verkehrsrecht  würde man von Unterschreitung des Gefährdungsabstand sprechen. Ich bin natürlich keinen Millimeter beiseite gewichen, vom abschätzigen Blick meinerseits ganz zu schweigen. Aber das beeindruckte sie keineswegs. Da mussten härtere Geschütze aufgefahren werden.
Aber ist es das wert ? Regt man sich nicht nur unnötig auf, weil der andere sich eh nicht ändern wird? Ganz ehrlich? Ja verdammt , natürlich ist es das wert, ich lass mir doch nicht alles gefallen. Die Leute brauchen ein Echo, verbal natürlich, im Rahmen des Legalen, aber bitte spitzfindig und mit Stil.

In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr, auf dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehen. :-)

Weihnachten 2.0

Aus akutem Zeitmangel und aufgrund eines altersschwachen Laptop kam ich in letzter  Zeit nicht wirklich zum Schreiben . Des ewigen Gejammers wohl überdrüssig,  brachte uns das Christkind dieses Jahr ein Tablet . Wir sind also jetzt sowas von 2012. Und endlich kann ich meine wenige Freizeit, die immer erst nach 20 Uhr in Anspruch genommen  werden  kann, multimedial nutzen . In meinem  Fall  bedeutet das Fernsehen und Schreiben gleichzeitig .

Aus aktuellem Anlass drängt sich doch das Thema Weihnachten sowas von auf, ich gebe dem mal nach .

Seit unsere Kinder  auf der Welt  sind, bekommt Weihnachten wieder Glanz und Sinnhaftigkeit , aber mit wachsender Verwandtschaft bringt das auch Organisationsschwierigkeiten mit sich.
Der Frage, wer Heiligabend zu uns kommt, folgt immer der fade Beigeschmack, dass sich die nicht eingeladenen Verwandten übergangen fühlen könnten . Letzten Endes findet sich schon eine Lösung , aber entspannt geht anders.

Wie jedes Jahr haben wir auch diesmal versucht ,der Flut von Geschenken richtungsweisend entgegen zu treten . Überwiegend hat es auch funktioniert . Das soll auch nicht undankbar klingen, aber es gibt Geschenke, die vorhersehbar nur von 12 Uhr bis mittags  halten, da hätte  man sich das blinkende Schneemannding besser selbst ins Wohnzimmer gestellt . Es hat übrigens sagenhafte 48 Stunden überlebt .

Unter den Erwachsenen schenkt man sich ja nichts . Zeit das Nichts mal näher zu beschreiben : Nichts kann alles sein, vom Buch über Parfum bis zum Zigarrencutter , wesentliches Merkmal des Nichts ist die Herabsetzung zur Kleinigkeit  oder – wie von uns praktiziert – zum rückwirkenden Dankeschön .
Wichtig finde ich dabei , dass sich die Beschenkten nicht im Zugzwang sehen. Dann klappt es auch das kommende Jahr wieder mit dem Nichts.

Am schönsten war aber auch dieses Jahr wieder das Strahlen in den Augen unserer Kinder und der krampfhafte  Versuch der Erwachsenen , den Abend über die Geschichte vom Christkind glaubhaft erscheinen zu lassen . Noch glauben unsere Kinder daran , formulieren vor Weihnachten Wünsche  und nach Weihnachten Beschwerden, die wir Eltern gewissenhaft ans Christkind weiterleiten .
In diesem Jahr gab es keine Beschwerden , dafür aber völlig im Lego Modellbau vertiefte Kinder, also das große Chaoskind und sein Vater, sowie ein kleines Chaoskind , welches sich zum Ziel gesetzt hatte, alle Lebkuchen auf einmal vom Weihnachtsbaum zu futtern und den Baum dabei seiner schönsten Zweige zu berauben .
Mit den Aufräumarbeiten werden wir wohl noch länger beschäftigt sein, aber dank Weihnachten 2.0 gibt es dafür bestimmt irgendein Effizienz Tool.

Es war einmal…

Ja, es gibt mich noch. Lange Zeit fehlte mir eben diese, was unter anderem daran liegt, dass ich mich jetzt wieder morgens in den Berufsverkehr einreihe und, in schickem Blau gekleidet, die Innenstadt ein Stück sicherer mache.

Ich hätte nicht gedacht, dass sich Beruf und Familie zwar organisatorisch ganz gut miteinander vereinbaren lassen, aber darüber hinaus eine überaus anstrengende Herausforderung darstellen. Aber ich will mal nicht jammern, es klappt alles super und mit ein bißchen Vorarbeit lässt sich auch der ein oder andere Tag in der Woche freischaufeln.

Na ja, obwohl ein wenig jammern möchte ich doch, denn ich habe eindeutig zu wenig Zeit, um dies hier zu tun: Schreiben…und das ärgert mich, denn Schreiben gehört zu den Dingen, die ich am liebsten mache, neben lesen, aber dabei schlafe ich ja schon nach wenigen Seiten ein. Abends ist nicht mehr viel Energie übrig, eigentlich gar keine, weswegen ich auch nicht mehr zum Schreiben komme, mir fällt schlicht und ergreifend abends nichts mehr ein.
So, genug gejammert und in Selbstmitleid gebadet, ich komme dann mal zum Wesentlichen: Ich habe Feldforschung betrieben. Ok, eher weniger im Sinne von Forschen als mehr im Sinne von Beobachten, zufällig natürlich. Ich war im Märchenwald. Nein, nicht allein, selbstverständlich mit der gesamten Chaosfamilie. Und diesmal war das Beobachtungsobjekt nicht die andere Mutter oder der andere Vater oder gar die anderen Kinder, sondern das große Chaoskind. Wir waren noch nicht mal am Eingang angekommen, da zeterte er schon los: “Ich will nicht, will nach Hause, oder erst Eis essen und dann nach Hause, ja erst Eis essen.(strahlt) “Nein, wir wollen (du musst auch) erst in den Märchenwald, du kennst doch das Märchen vom Froschkönig…bla bla bla.” Das große Chaoskind hinter uns her ziehend kamen wir an der ersten Märchenhütte an. Beinahe wäre das große Chaoskind über ein freilaufendes Huhn gestolpert, es ist schließlich auch schwierig zu laufen, wenn man sich die Augen zuhält. “Ich hab Angst, will nach Hause.” Gut, dass er sich die Augen zuhielt, denn ich musste erstmal grinsen, irgendwie süß und doch herzerweichend, wie dieses körperlich schon groß wirkende Kind wimmernd durch den Märchenwald lief, ohne auch nur einmal die Augen zu öffnen. Auch gutes Zureden half nur wenig, erst an der letzten Hütte wagte er einen kurzen Blick und sagte: “Ah, Brüderchen und Schwesterchen…Mama, das Brüderchen ist verzaubert worden, guck, jetzt ist er ein Reh und bla bla bla…” (Äh, wo ist denn unser Kind, das glaub ich jetzt nicht! 12 Euro für`n  A….. und Schweißringe unter`m Arm, weil er sich die ganze Zeit durch den Wald ziehen lässt und keine einzige Märchengeschichte hören will und jetzt das??? Eigentlich müssten wir jetzt den ganzen Weg – bergauf- nochmal zurückgehen, aber ich kann nicht mehr, ich will ein Eis!!!)
Ich kann mich noch dunkel erinnern, dass auch ich als Kind immer Angst vor der bösen Hexe im Märchenwald hatte, noch heute habe ich den Duft von morschem, moosbewachsenem Holz in der Nase, wenn ich an die Besuche im Märchenwald denke, regelrechte Panik hatte ich damals und auch ich hielt mir immer die Augen zu. Diese lebensgroßen Puppen, die sich roboterhaft bewegen und dazu noch die blecherne Stimme vom Tonband, die den Kindern schaurige und blutrünstige Geschichten erzählt (ja, Märchen sind grausam, aber Kinder empfinden das nicht so), ich kann verstehen, dass das unheimlich ist.

Ich glaube, wir müssen jetzt erstmal das Trauma bewältigen. Heute abend lese ich dem großen Chaoskind das Märchen vom Froschkönig vor, langsam werden wir uns dann vorarbeiten, vom gestiefelten Kater über Rapunzel bis hin zu Rotkäppchen und dem bösen Wolf.

Und noch eins habe ich aus dem Besuch im Märchenwald mitgenommen: Die Idee für einen schaurigen Krimi, nur werde ich den wohl erst schreiben können, wenn ich genauso alt und runzelig bin wie die alte Hexe.

Wohnst du noch oder bereust du schon?

In den letzten Wochen haben wir uns intensiv mit der Frage beschäftigt, ob wir weiterhin zur Miete wohnen oder lieber Eigentum erwerben wollen. Das hat mich veranlasst, die Stadt mit anderen Augen zu sehen. Selektive Wahrnehmung nennt sich das wohl. Und dabei stellt sich mir bei manchen Beobachtungsobjekten ziemlich schnell die Frage, wie um alles in der Welt man so wohnen kann. Gut, es kommt immer auch auf die Perspektive an: Ist man Student und Single hat man gewiss weniger Möglichkeiten als der verheiratete Mittelständler oder gar der wohlhabende Unternehmer. Und wenn man Kinder hat, sieht man seine Wohngegend wiederum mit anderen Augen und setzt andere Maßstäbe. Aber es gibt doch Wohnsituationen, die ich unabhängig vom Einkommen und der jeweiligen Lebenssituation als völlig inakzeptabel betrachte. Ein Beispiel liegt ganz in unserer Nähe. Ein Neubaugebiet namens “Börkhauser Feld” , angelegt als eigene kleine Stadt mit zentral gelegenem Kiosk und Bewohnertreff, Spielplatz und eigener Kindertagesstätte, verkehrsgünstig gelegen, mit hohem Anteil an Mietreihenhäusern, ansonsten mit Mietwohnungen, geplant und umgesetzt vom Spar- und Bauverein Solingen.
Klingt ja auch ganz nett, aber der Begriff Reihenhaus bekommt hier eine ganz eigene Bedeutung. Die Häuser sind nicht nur so schmal, dass man schon Schwierigkeiten bekommt, wenn man zwei Liegestühle auf der Terrasse platzieren möchte, nein, sie sind so gebaut, dass man Privatsphäre erstmal neu definieren muss. Kann ja auch praktisch sein, wenn man für nachbarschaftliche Kommunikation nicht mal das eigene Haus verlassen muss. Auch den Liebhaber muss man nicht erst umständlich im Schrank verstecken, er geht einfach schnell rüber in sein Zimmer, ist ja nicht weit.  Mal ehrlich, möchte ich so wohnen? Eher nicht. So eine Siedlung wird doch bestimmt auch gecastet, inklusive der Bewohner. Und nach ein paar Monaten werden die ersten Folgen der neuen Soap “Die Börkis-eine Kommune lebt auf” im privaten Fernsehen gezeigt.

Noch besser finde ich allerdings ein paar Neubauten in Solingen – Gräfrath. Die sehen echt schmuck aus, da hat sich der Architekt wirklich Mühe gegeben. Sehr modern, fast puristisch, aber schön. Dumm nur, dass sie direkt an einer Hauptverkehrsstraße liegen, so dass man den stolzen Bauherren beim nachmittäglichen Sonnen auf der tollen Bangkirai-Terrasse zusehen kann (Ach, der Bikini ist aber schön, und, wie lustig, genau die gleiche Kaffeetasse hab ich auch…), während man an der Ampel auf “Grün” wartet. Also wenn ich schon so viel Geld für einen Neubau ausgeben würde, dann doch bitte auch in einer halbwegs gescheiten Lage, oder?

Aber was mich doch einigermaßen erstaunt, ist die Tatsache, dass es nur sehr wenige 4-Zimmer-Wohnungen  gibt, sei es als Eigentumswohnung als auch als Mietwohnung. Es wird zwar im Stadtgebiet fleißig gebaut, aber meistens nur 2- und 3- Zimmer- Wohnungen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Nachfrage danach so groß ist. Spätestens mit einem Kind wird es doch in einer 3- Zimmer-Wohnung schon eng, die meisten brauchen ja auch noch ein Arbeits- oder Gästezimmer. Oder schlafen die alle im Wohnzimmer oder übereinander?
Wir haben aufgrund des Überangebots von Maisonette-Wohnungen (wo bitte sind die Terrassenwohnungen, gibt`s die nicht mehr?), Wohnungen in der Fußgängerzone (zentrumsnah, ah ja…) oder Wohnungen, die an 3 Seiten von Straßen umgeben sind (verkehrsgünstig gelegen…), beschlossen, in unserer Wohnung zu bleiben, bis die Kinder aus ihren Zimmern rausgewachsen sind. Aber ändern werden wir doch noch das ein oder andere, schließlich ist letzte Woche der neue Katalog meines Lieblingsmöbelhauses unter den schwedischen Möbelhäusern gekommen. Ich hab also was vor…

Der Kleiderberg

Es gibt Tage, an denen ich selbst mit viel taktischen Können die Kleiderschränke und Schubladen meiner Kinder nicht mehr zu kriege. Da hilft auch kein Fluchen mehr (mach ich trotzdem), die Klamotten müssen raus. Verschenken möchte ich sie nicht, denn schließlich haben wir teilweise und vor allem in der Summe viel Geld dafür ausgegeben. Zunächst sortiere ich die Sachen also erstmal nach Altkleider und Second Hand, stets unterbrochen von Einwänden des großen Chaoskindes, die Sachen würden noch passen. Gut, es sieht schon lustig aus, wenn er sich einen viel zu kleinen Schlafanzug über die Jeans zieht und sich dann noch in die 3 Nummern zu kleinen Gummistiefel quetscht, aber hey, ich will aussortiiieeeeren…Es hilft nichts, ich brauche einen Chaoskindsitter.

Nach etwa einer Stunde habe ich endlich jemanden gefunden, der sogar beide Chaoskinder für 2 Stunden nimmt. Welch ein Glücksfall, also nichts wie los in den Keller, der Ort, an dem sich Windelkartons bis unter die Decke stapeln, allesamt gefüllt mit Kindersachen in verschiedensten Größen, nur grob sortiert und natürlich nicht beschriftet. Puh, angesichts dieser Mammutaufgabe verlässt mich schnell die Zuversicht. Einen Kaffee später hab ich zumindest schon mal einen Plan. Nach einer Stunde sind immerhin schon vier Internetkleinanzeigen geschaltet, optisch ansprechend mit Fotos und dazu noch umfassend formuliert, schliesslich erhöht dies die Verkaufschancen, wirbt die Kleinanzeigenplattform. Natürlich stelle ich nur Sachen ins Internet, die zu schade für den Flohmarkt sind und für die man mehr als 0,50€ verlangen kann, alles andere ist viel zu aufwändig. Die Flohmarktsachen sind nun auch alle nach Sommer- und Winterklamotten sortiert und sogar der ein oder andere Schatz ist beim Wühlen im Keller wieder aufgetaucht. Toll, frohen Mutes erwarte ich zunächst meine Kinder zurück und dann auf Anfragen auf die Kleinanzeigen.
Die lassen auch nicht lange auf sich warten. So erhalte ich eine Email mit folgendem Inhalt: “Will die Schuhe haben, wieviel?” (Äh, ja. Hallo erstmal, eine Anrede wäre ja mal nett, der Preis steht in der Anzeige, und wer zum Teufel schreibt mir da eigentlich? Na gut, dann schreib ich mal zurück…) “Hallo Hasi765, vielen Dank für Ihre Anfrage. Der Preis für die Schuhe liegt bei 10,00€ VB ( Verhandlungsbasis), wie bereits in der Anzeige beschrieben. Würden Sie die Schuhe abholen oder wünschen Sie den Versand? Mit freundlichen Grüßen Frau Chaos”
Wie nicht anders zu erwarten war Hasi765 dann offensichtlich mit der Antwort überfordert, ich bekam keine weitere Email mehr.
Meine ganze Hoffnung ruhte sodann auf dem möglichen Verkauf des sperrigen Kinderwagens, immerhin noch top in Schuss und durchaus über 100,00€ wert. Recht schnell bekam ich folgende Anfrage: “Hallo, I am bereit zu Ihrer letzten Preisvorstellung und ich zahle auch den Versand Griff der Ware selbst, so werde ich sie Ihnen eine Scheck oder Banküberweisung per Post Service und wenn Sie es bekommen, und es löscht Ihr Konto wird mein Absender kommen Abholung der Ware. Tut mir so leid kann ich nicht kommen sehen es Sache bin ein sehr beschäftigter Mann und meine Lage ist etwas weit, aber bin ihr in einem guten Zustand sicher, wie Sie behauptete senden Sie mir Ihre Angaben für die Prüfung wie.”

????Hä???? Wäre da jemand eventuell besser beraten gewesen, in seiner Muttersprache Englisch zu schreiben?

Was war ich froh, zeitgleich noch eine weitere Anfrage erhalten zu haben, verständlich geschrieben und freundlich formuliert, von einer richtig netten Familie, die sich den Wagen angeschaut und ohne zu Murren den angegebenen Preis bezahlt haben. Und weil sie so nett waren, hab ich ihnen noch das Sonnensegel und Moskitonetz mitgegeben, kostenlos versteht sich.

Jetzt ist die Spardose der Chaoskinder wieder gefüllt, neue Klamotten werden in den Schrank gequetscht und der Keller…ja der ist immer noch hoffnungslos überfüllt. Aber ich hab die Lösung schon gefunden: Ein Second Hand Laden, der die Sachen annimmt, verkauft, einen Anteil behält und den übrigen Erlös auszahlt. Tolle Sache. Denn mal ehrlich, wer hat schon Lust, sich von morgens früh bis in den Abend hinein auf den Flohmarkt zu stellen, erst 5 Umzugskartons Kinderkleidung auszuladen und nachher 6 Umzugskartons wieder einzuladen, weil Hasi765 und Mutti-Sol.de trotz stundenlangen Feilschens nicht mehr als 0,50 € für ein paar nagelneue Turnschuhe bezahlen wollten, dafür aber der Stand gegenüber sooo schöne Mädchensachen hatte und der Stand nebenan ganz tolle Spiele und überhaupt…???

In diesem Sinne, ich geh jetzt shoppen. ;-)

Noch ein Käffchen?

Wie bereits erwähnt darf ich als trnd-Partner* die neue Senseo Twist testen. Da ich zu allen Lebenslagen und zu jeder Tageszeit Kaffee trinke, bin ich nach etwas über einer Woche zu einem Fazit gelangt: Die neue Senseo gebe ich nicht mehr her! Schon allein deswegen nicht, weil sie optisch nahezu perfekt in unsere Küche passt. Was ihr so nicht sehen könnt, ist, dass wir eine weiße Küche mit dunkelbrauner Arbeitsplatte haben, meine bevorzugte Dekofarbe ist Limettengrün. Die Senseo fügt sich somit perfekt ins Bild ein.

Aber nun zum Wesentlichen, zum Kaffee. Neben einer großen Auswahl an Kaffeesorten – zu denen ich an späterer Stelle noch mehr sagen werde – hat man erstmal die Wahl zwischen Tasse oder Becher. Die Senseo ist so konzipiert, dass man entweder “1 Tasse” wählen kann, dies entspricht in etwa 150 ml Kaffee oder “2 Tassen” entsprechend ca. 300 ml Kaffee. Da ich meinen Kaffee immer nur aus Bechern trinke, wähle ich die letztere Einstellung.
Dabei ergibt sich nur leider das Problem, dass mein Becher mit den 300 ml randvoll ist, wenn ich dann noch Milch hinzugieße, schaffe ich es meist nicht, den Becher  unfallfrei zum Küchentisch zu tragen. Daher beende ich den Brühvorgang bei meiner bevorzugten Füllmenge manuell. Das ist ein Kritikpunkt an der Maschine, bislang ist das aber auch der Einzige.
Dieses Problem könnte man allerdings auch umschiffen, indem man mit der Einstellung der Kaffestärke arbeitet. Dabei kann man einmal 150ml für eine Tasse durchlaufen lassen und anschließend die Kaffeestärkeneinstellung “kräftig”  und wiederum “1 Tasse” wählen. Dann laufen nämlich nur 75 ml durch, insgesamt hat man dann 225 ml im Becher. Hm, genau, das ist auch aufwendig und man steht ebenfalls die ganze Zeit daneben. Aber “Die ganze Zeit” sind übrigens nur ca. 30 Sekunden, das ist wohl auch im stressigsten Alltag machbar, oder?

Egal wie viel Kaffee am Ende dabei rauskommt, heiß ist er allemal. Dafür gibt es einen Pluspunkt meinerseits, denn ich finde nichts widerlicher als einen nur mäßig heißen Kaffee. Solcher schmeckt sofort bitter und ist dann nur noch ein Fall für den Abfluss. Aber der Senseokaffee schmeckt. Bislang habe ich mich durch die Sorten “Klassisch” , “Kräftig”, “Mild” und “Guten Morgen Kaffee” probiert.

Bei der Sorte “Kräftig” reicht mir ein Pad für einen Becher, denn er ist wirklich kräftig im Geschmack. Diese Sorte eignet sich bei dem warmen Wetter übrigens hervorragend zum Herstellen von Eiskaffee….mmmmh.

Die anderen Sorten unterscheiden sich im Geschmack nur leicht voneinander, wobei der “Guten Morgen ” Kaffee eine Becherportion ist und zudem auch cremiger ist als die anderen drei Sorten. Jedoch bin ich mit den Geschmackstests noch lange nicht am Ende, nächste Woche werden weitere Sorten eingekauft und getestet.

Nun aber wieder zurück zur Bedienbarkeit: Was mir direkt positiv aufgefallen ist, ist der transparente Wassertank. Anders als bei dem Vorgängermodell lässt dieser sich durch Abnehmen des Deckels auch im befestigten Zustand befüllen und man kann den Wasserstand besser erkennen. Super ist natürlich auch das Touch-Display, welches der Maschine noch einen Hauch Extravaganz verleiht. Und falls ich dann doch mal einen Becher mit über 300 ml Fassungsvermögen finde, kann ich auch diesen problemlos befüllen lassen, da zum einen der Kaffeeauslauf höhenverstellbar ist und zum anderen die herausnehmbare Tropfschale für den nötigen Platz sorgt.

So, ich denke ihr habt nun einen ersten Eindruck davon, wieviel Spaß mir dieser Test macht ( mein letztes Testobjekt war feuchtes Toilettenpapier…also das hier ist doch mal ne Steigerung oder? ;-) ) und seid vielleicht auch schon auf den Geschmack gekommen.

Zum Schluss noch ein Hinweis von einer Ehefrau zu anderen Ehefrauen: Nachdem mein Mann jetzt nicht mehr eine ganze Thermoskanne frisch gebrühten Kaffees “vergisst” und ich morgens eine ganze Thermoskanne kalten Kaffees entsorgen muss, hat er ein neues Hobby: Er lässt nach jeder Tasse Senseo- Kaffee den durchgeweichten Pad in der Halterung. So hab ich wenigstens keine Langeweile!

In diesem Sinne….

* http://philips-senseo.trnd.com/ Hier gibts alle näheren Infos.

Käffchen gefällig?

Was bin ich doch für ein Glückspilz! Seit ein paar Tagen darf ich die neue Senseo Twist von Philips testen, als Partnerin von trnd.com.  Wie das geht? Anmelden, testen und berichten. *

Auf jeden Fall ist jetzt Kaffeetrinken in unserem Haus angesagt. Es gibt ja so viele Sorten Kaffeepads, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Aber eins ist schonmal klar: Die Senseo passt optisch super in unsere Küche, der Kaffee ist schön heiß und ich muss endlich keine Kaffeereste mehr entsorgen. Denn der Chaosvater setzte sich selbst abends noch eine ganze Kanne Kaffee auf, um vielleicht noch einen Becher zu trinken, dann auf der Couch einzuschlafen und den Kaffee zu vergessen. Am nächsten Morgen ärgerte ich mich dann zum einen über die immer noch volle und damit nicht einsatzbereite Thermoskanne und zum anderen darüber, dass ich den Kaffee wegschütten muss. Eine ziemliche Verschwendung, zumal Kaffee ja auch nicht ganz billig ist. Damit ist nun Schluss, die alte Kaffeemaschine hab ich in den Keller verbannt. Jetzt kann der Chaosvater nur noch tassenweise Kaffee aufsetzen. :-)

*Nähere Informationen unter http://philips-senseo.trnd.com/informationen/

“Also wir beide müssen uns mal unterhalten…”

Ich weiß nicht warum, aber manchmal scheinen Erzieher zu glauben, nicht nur mit den Kindern langsam und deutlich sprechen zu müssen, sondern auch mit den Eltern. Gut, bei dem ein oder anderen mag das ja auch nötig sein, aber doch nicht bei mir. ;-) In der konkreten Situation ging es darum,dass mir seitens der Erzieher meines großen Chaoskindes nunmehr seit etwa einem Jahr ständig gesagt wird, ich solle ihn im Turnverein anmelden, er habe Schwierigkeiten bei der Balance und traue sich selbst zu wenig zu. Ich nehme diese Ratschläge natürlich an, habe aber bislang noch keinen Verein gefunden, in dem es mir gefällt und bei dem die Trainingszeiten in unsere Wochenplanung passen. Unser Kind ist aber auch sehr viel draußen und in Bewegung und entwickelt sich meiner Ansicht nach ganz normal, so dass ich mir erstmal keinen Stress machte. Brauchte ich auch nicht, denn für Stress sorgten dann wiederum unsere Erzieher: Unser Kind sei ja einer der jüngsten bei der Einschulung 2014 und ich solle doch mal unsere Kinderärztin nach Ergotherapie fragen, um ihn zu fördern. Man müsse ihn jetzt mal richtig anschubsen, damit er fit für die Schule wird. Nun gut, ich hätte ihm ja noch ein wenig Zeit gelassen, aber ich nehme die Einschätzungen unserer Erzieher schon ernst. Also hab ich kurz nach diesem Gespräch mit unserer Kinderärztin gesprochen, die wiederum nochmal um ein Gespräch mit unseren Erziehern bat. Dieses fand dann wenige Tage später auch statt. Heute sprach mich unsere Erzieherin darauf an. Im Prinzip kein Problem, wäre da nicht dieser bestimmte Unterton: “Hatten wir nicht vereinbart,dass wir mit dem Vorsprechen beim Kinderarzt noch warten, bis er 4 Jahre alt wird?” Ich (ein wenig erstaunt): “Ähm,also ich hatte Sie so verstanden, als dass wir ihn jetzt frühzeitig fördern müssen…” “Nein,” unterbricht Sie mich mitleidig lächelnd, “das habe ich so niemals gesagt…” (Doch,ich bin ja nicht dement) “…aber ihre Ärztin und ich haben uns amüsiert,dass Sie wohl ein wenig unter Stress stehen, es ist ja im Moment auch schwierig mit den beiden Kindern, nicht?.” (Ach ja, ist das so? Also erstmal bin ich nicht begriffsstutzig, sie können also in nem vernünftigen Ton mit mir reden und außerdem, woran liegt das wohl, dass ich ja ach so gestresst bin? Wer liegt mir denn seit Monaten damit in den Ohren, dass ich unser Kind fördern muss? Wenn wir ja noch soooo viel Zeit haben, dann hätten Sie uns und vor allem unser Kind doch auch einfach mal in Ruhe lassen können.  Aber klar,ich mime gerne die grenzdebile, dauergestresste Mutter für Sie, machen Sie sich ruhig lustig über meine Sorgen, die Sie bei mir hervorgerufen haben. Gar kein Problem; und wenn ich mal wieder Erziehungsbedarf habe, können Sie mich gerne im Rahmen eines konstruktiven Arbeitskreises belehren und sich anschließend selbst als pädagogisch wertvoll bezeichnen.)

Aaaaaaaahhhhhhh….so, besser.:-)

Mein Fazit: Ich mache jetzt erstmal nichts mehr. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich das große Chaoskind ganz normal entwickelt und bisher hab ich Entscheidungen aus dem Bauch heraus noch nie bereut. Nächstes Jahr kann er bei den Bambinis Fussball spielen, er möchte unbedingt “Tobart” werden und jeden Ball fangen. Seine Feinmotorik darf er auch weiterhin beim Basteln mit dem Chaosvater in der Garage entwickeln, denn Malen findet er doof. Es ist mir dann auch egal, wenn seine Malkünste als rudimentär bezeichnet werden, Kinder sind alle so verschieden, da muss auch nicht jedes Kind ein Minikünstler werden. Ich nehme mein Kind so an, wie es ist. Und wenn er wirklich noch Unterstützung braucht, dann bekommt er eben den kleinen Schubs in die richtige Richtung, damit er mit seinen Freunden erfolgreich eingeschult werden kann.

Früher war es aber anders…

Neulich wurde ich gefragt, ob ich denn kein schlechtes Gewissen hätte, dass ich mein kleines Chaoskind schon mit 1 Jahr in den Kindergarten gebe. Früher, soll heißen, bei meinem ersten Kind hätte ich mich wahrscheinlich fürchterlich über diese Person aufgeregt, die es wagt, mich so etwas zu fragen und mir das Gefühl zu geben, ich sei eine schlechte Mutter…Heute nicke ich nur freundlich, verkneife mir einen Kommentar (dafür hab ich ja meinen Blog),  sage ganz entspannt: “Nein, ganz im Gegenteil.”, drehe mich um und gehe.

Früher hätte aber auch niemand diese Frage gestellt, denn ich hätte es überhaupt nicht fertig gebracht, mein großes Chaoskind schon so früh in den Kindergarten zu geben, damals war ich nämlich die Glucke schlechthin.

Aber das hat sich geändert, wie sich so vieles ändert, wenn sich das zweite Kind ankündigt. Schon in der Schwangerschaft: Beim ersten Kind fiebert man jedem Untersuchungstermin entgegen, jeder Ultraschalltermin wird gefeiert, am liebsten würde man das Ultraschallbild danach stolz vor sich hertragen und jedem zeigen, auch denen, die es nicht interessiert.  Beim zweiten Kind kann es dagegen schon mal passieren, dass man einen Untersuchungstermin vergisst, meine Güte, man hat ja auch mit Kindererziehung des ersten Kindes, Kindergarten, Dienst und Freizeitorganisation genug zu tun, da kann man ja wohl mal was vergessen.

Nochmal zur Geburtsvorbereitung gehen? Quatsch, das Atmen und Hecheln hat bei der Geburt vom ersten Kind schon nichts gebracht, es waren trotzdem höllische Schmerzen, da setz ich mich doch nicht nochmal in so`n Kurs und hoffe, dass mich niemand sieht.

Bei meinem ersten Kind habe ich mir zwar Gedanken gemacht, in welchem Krankenhaus ich entbinden möchte, habe aber alles, was mich danach im Krankenhaus erwarten könnte, komplett ausgeblendet. Also kam es wie es kommen musste: Dreibettzimmer, herzlichen Glückwunsch. Da war dann die Dame am Fenster rechts, die sich wohl dachte: Wenn ich nicht schlafen kann, dann schläft hier keiner. Es lief dann die halbe Nacht der Fernseher, während ihr Baby im Stundentakt lautstark nach Nahrung oder was auch immer verlangte. Die Dame links vom Fenster dagegen konnte sehr gut schlafen. Ihr Kind musste schon seeehr laut schreien, um erhört zu werden, denn die Mama schlief tief und fest…und schnarchte, mindestens genauso laut, wie ihr Baby schreien konnte. Da war die Freude über mein genügsames schlafendes Baby nur von kurzer Dauer. Zum Glück hatte ich so viel Glückshormone intus, dass ich die drei Tage positiv denkend hinter mich brachte.

Beim zweiten Kind gab`s dann ein Einzelzimmer. Das zusätzliche Geld war es wirklich wert. Nicht nur, dass ich meine Ruhe hatte, wenn mein kleines Chaoskind ausnahmsweise mal schlief, nein, ich hatte sogar eine Minibar. Super…Sekt für alle!! Nach einem Schluck war ich betrunken, dann fiel mir ein, dass ich doch stillen wollte…na gut, die Minibar wurde den Gästen überlassen.

Ganz allgemein hat man für das zweite Kind tendenziell weniger Zeit als für das erste. Von Anfang an gibt es kaum ungeteilte Aufmerksamkeit. Das Neugeborene wächst damit auf, das große Geschwisterkind muss dies allerdings erstmal lernen. Unweigerlich führt das zu Eifersuchtsszenen, bei denen das Kleinere in unbeobachteten Momenten auch schon mal den Kürzeren zieht. Da wird es mal vom Großen gezwickt oder bekommt eher rüde das Spielzeug abgenommen. Um dann doch mal Zeit für das Erstgeborene aufzubringen, wird das zweite Kind schon früh stundenweise in Fremdbetreuung gegeben, also zu den Großeltern. Beim ersten Kind kam das für mich vor dem ersten Geburtstag überhaupt nicht in Frage, es bestand auch kein Bedarf. Und Forderungen seitens der Großeltern, das Kind doch mal abzugeben, wurden fast trotzig ignoriert.

Ganz schlimm waren allerdings die gut gemeinten Ratschläge der älteren Generationen. “Du musst ihn aber langsam mal ans Töpfchen gewöhnen, früher waren die Kinder mit einem Jahr trocken.” (Ja früher saßen die Kinder deswegen so früh den ganzen Tag auf dem Töpfchen, weil keiner mehr Bock hatte, die ganzen Windeln zu waschen. Heute gibt`s aber Wegwerfwindeln!) Ständig gab es Reibereien deswegen, heute sind die Ratschläge nur geringfügig weniger geworden, aber sie werden einfach ignoriert, es nützt ja eh nichts, dagegen zu reden.

So laufen die zweiten Kinder einfach mit, werden quasi nebenher miterzogen, wachsen wie selbstverständlich mit Dingen auf, bei denen beim ersten Kind noch das Für oder Wider abgewägt wurde. Jetzt kommt unser Kleines mit 1 Jahr in die Kita und ich freue mich darauf. Ich habe kein schlechtes Gewissen, auch nicht, wenn unser Kleines Gläschennahrung statt Selbstgekochtem bekommt und die Kleidung vom Geschwisterkind aufträgt, und ich habe deshalb kein schlechtes Gewissen, weil es eins gibt, dass sich unsere Kinder nicht teilen müssen: Unsere Liebe zu den beiden, denn davon gibt es  einfach nochmal 100% zusätzlich.

Das Phänomen des Fremdschämens

Es trifft mich wie ein Blitz, mein Körper erstarrt, die Röte steigt mir heiß ins Gesicht und Schweiß perlt auf meiner Stirn. Adrenalin durchströmt meinen Körper , der Blick verengt sich und hat nur noch ein Ziel: Die Flucht…

Doch etwas hält mich gefangen und lässt mich nicht fliehen, es ist der Anstand, der mich verharren lässt.

Was war passiert?

Es war ein schöner Sommernachmittag an dem wir zum Shoppen und Eisessen in die Stadt fuhren, die ganze Chaosfamilie. Nichtsahnend schlenderten wir durch die Einkaufspassage als der Chaosvater eine Bekannte mit ihrem 4jährigen Sohn entdeckte: “Stop”, flüsterte er, “geh nicht daher, da sind Frau Müller-Rothburg und ihr Jan-Torben.” Doch es war schon zu spät, das große Chaoskind hatte sie schon entdeckt: “Jan-Tooben, Jan-Tooben, warte auf mich.” (Grmpf)                 Wir begrüßten uns freundlich und von unserer Seite distanziert, weil wir schon ahnten, was passieren würde. Während wir höfliche Floskeln austauschten (Ja, das Wetter ist wirklich toll und Nein, wir  wollen nur schnell etwas einkaufen, wir haben leider nicht viel Zeit), schaute unser großes Chaoskind dem Jan-Torben dabei zu, wie er einen Kaugummiautomaten in Position rückte und meterweise vor sich her schob. Der Automat schwankte bedrohlich und ich fürchtete um die Unversehrtheit der Kinder, vor allem unserem, der ungünstig im Weg stand. Ein Aufschrei meinerseits veranlasste Frau Müller-Rothburg zu einem kurzen und mit einem ach so verständnisvollem Lächeln auf den Lippen gesäuseltem “Ach Jan -Torben, nicht.” Der Automat wurde einfach dort stehen gelassen.  Schon peinlich berührt zogen wir nach den höflichen Verabschiedungsfloskeln weiter, shoppten hier und shoppten da, kauften uns anschließend ein Eis und ließen uns auf einer Bank inmitten des Einkaufscenters nieder. Mit dem älteren Ehepaar auf der Bank nebenan kamen wir dank der Kinder recht schnell ins Gespräch, zum Glück waren es sehr angenehme Mitmenschen. Das große Chaoskind aß sein Eis und schaute sich danach die Auslagen des angrenzenden Geschäfts an. Hinzu kam Jan-Torben, der auch gleich in die Auslage griff und unserem Kind die gerade erbeutete Wasserpistole präsentierte. Das ältere Ehepaar hielt schon Ausschau, wo denn wohl die Mutter dieses Kindes sein möge, als mir ein “Jan-Torben, häng das bitte zurück, das macht man nicht.” herausrutschte. (Mist, jetzt wissen sie, dass wir das Kind kennen, blöder Fehler.) Da kam auch schon Frau Müller-Rothburg um die Ecke. Im gleichen Moment riss der kleine Jan-Torben auch schon die nächstbeste Spielzeugverpackung auf, von nebenan kam ein “Tz, also das geht aber nicht.”, von Frau Müller-Rothburg ein lächelndes “Nicht Jan-Torben, sonst müssen wir das bezahlen”, während sie ihr Kind nahm und weiterging und ich wünschte mir ein Erdloch, dass sich auftun möge. Doch damit nicht genug, kam sie kurz darauf wieder und erzählte, dass Jan-Torben doch immer die Kreditkarten-Imitate aus den Geldbörsen in den Geschäftsauslagen herausnehmen würde und zeigte stolz den Stapel, den ihr Sohn (“ach er ist ja so kreativ”) hat mitgehen lassen. Jan-Torben sei auch gerade dort vorne am Geldautomaten auf die Idee gekommen, die Karten mal auszuprobieren, ach wie intelligent er doch sei. Hach zum Glück sei der Kartenschlitz nicht verstopft worden, die Pappkarte sei ja wieder herausgekommen (lacht).

Was tun in so einer Situation, wenn eben kein Erdloch da ist und man aus lauter Höflichkeit nicht einfach aufspringen und fliehen kann? Was tun, wenn man aber auch nicht als Sympathisant der Antierziehung gelten möchte?

Hilft da vielleicht ein geräuspertes “wenn das mein Kind wäre…” oder ein offensichtliches Augenverdrehen? Am leichtesten machen es einem dann doch wieder die eigenen Kinder, unser großes Chaoskind äußerte uns gegenüber jedenfalls ein aufrichtiges “Mama, das darf der nicht.” “Richtig, man darf nicht einfach Sachen aus den Geschäften mitnehmen, und Spielzeug auspacken darf man auch nicht.” (Und im übrigen finde ich es einfach nur traurig, wenn eine erwachsene Frau der oberen Bildungsschicht nicht in der Lage ist, ihrem Kind einfachste gesellschaftliche Regeln beizubringen, weil ihre Verzücktheit über ihr einziges und ach so kreatives und blitzgescheites Kind ihr den Blick auf das vernebelt, was ganz nebenbei auch noch ihr Job ist: Erziehung!)